
Ocean Ambassador Jana Leberl
Heute stellen wir dir Jana Leberl vor. Die Ärztin aus Deutschland möchte verstehen, welche Folgen Umweltverschmutzung für die Gesundheit von Menschen hat. Letztes Jahr wurde sie zu einer Segelreise nur mit Frauen eingeladen, mit eXXpedition, um Daten zur Plastikverschmutzung unserer Ozeane zu sammeln. Ihre Eindrücke von der Reise hat sie in einem Bericht für uns festgehalten, den wir gern veröffentlichen und mit dir teilen.
eXXpedition ist eine britische NGO, die die Plastikverschmutzung der Ozeane verstehen und weltweit Veränderungen bewirken will. Gemeinsam mit Universitäten führt sie wissenschaftliche Studien durch, um das Problem direkt vor Ort zu untersuchen. Die Daten sammeln Frauen aus aller Welt auf einer Segelreise durch die größten Müllteppiche der Welt, entlang besonders betroffener Küsten und bis hinauf in die Arktis. Alle Frauen sind in einem internationalen Netzwerk von Ocean Ambassadors verbunden und unterstützen sich gegenseitig dabei, in ihren Gemeinschaften Veränderungen anzustoßen.

Janas Bericht von der Frauen-Segelreise im Dezember 2019
„Unsere Reise begann auf Aruba. Nachdem wir uns alle kennengelernt und an Bord eingerichtet hatten, begannen wir sofort, Daten für eine unserer Studien zu sammeln. Dafür zählten und kategorisierten wir Müll an Land, um zu verstehen, woher die Plastikstücke stammen und auf welchen Wegen sie in die Ozeane gelangen. In kleinen Teams verteilten wir uns in Oranjestad, der Hauptstadt von Aruba, um die verschiedenen Arten von Plastikmüll an unterschiedlichen Orten zu erfassen.
Am Nachmittag besuchten wir das erste Upcycling-Center auf Aruba. Die Bewohner:innen der Insel werden sich des drastischen Verschmutzungsproblems immer stärker bewusst. Weil sich die Insel kaum landwirtschaftlich nutzen lässt, wird alles importiert: in Plastik verpackt. Die Mülldeponie, die vor 50 Jahren angelegt wurde, quillt über. Alternativen werden dringend gebraucht, zum Beispiel das Upcycling-Center.

Leider wurden wir nicht eingeladen, uns den Zustand dieser Deponie anzusehen. Doch als wir am nächsten Morgen die Küste entlangsegelten, kamen wir an dem riesigen Müllberg vorbei, denn er lag direkt am Meer. Die Hälfte davon brannte, und Stücke fielen ins Meer. Nur wenige Minuten später begrüßte uns eine Gruppe Delfine.



In den folgenden Tagen segelten wir Richtung Panama und teilten uns in kleine Gruppen auf. Alle vier Stunden wechselten wir zwischen Segeln, Kochen und Schlafen. Am Nachmittag drosselten wir das Tempo des Boots, um Daten für unsere Studien zu sammeln. Eine davon befasste sich mit Mikroplastik im Oberflächenwasser. Diese Untersuchung haben zwar schon einige andere Forscher:innen durchgeführt. Das Besondere an unserer Untersuchung ist, dass wir einmal um die Welt segeln und dabei immer dieselbe Methode nutzen. Dadurch sind die Daten wirklich wertvoll.
Um den Plastikmüll zu sammeln, nutzten wir ein sogenanntes „Manta-Trawl“, im Grunde ein Netz in Form eines Mantarochens. Wir ließen es 20 Minuten im Wasser, bevor wir es wieder an Bord zogen und alle Plastikpartikel in einem langwierigen Filterprozess sammelten.
Bis die Daten veröffentlicht sind, kann ich keine offiziellen Aussagen machen. Aus unserer Erfahrung an Bord können wir aber schon sagen: Wir haben jeden einzelnen Tag von Plymouth bis Panama Plastikpartikel aus dem Oberflächenwasser gefischt.
Erschreckend daran ist, dass vermutlich nur 0,5 % des Plastikmülls an der Oberfläche treibt. Der Rest schwebt wahrscheinlich in tieferen Wasserschichten oder liegt auf dem Meeresboden.
Nach einigen Tagen, ohne Land zu sehen, erreichten wir die San-Blas-Inseln, einen Archipel aus mehr als 350 kleinen Inseln, die mit Kokospalmen bewachsen sind. Hier leben die Kuna Yala, eines der letzten indigenen Völker der Region.

Um die Erlaubnis zu bekommen, Proben aus ihren Gewässern und vom Meeresboden zu nehmen, trafen wir uns mit ihrem Ältestenrat. Nach einigen Überlegungen und Gesprächen über das Thema durften wir unsere Forschung fortsetzen. Während wir dort vor Anker lagen, nutzten wir auch die Gelegenheit, die Sicht der Menschen vor Ort auf das Problem kennenzulernen. Ziel von eXXpedition ist es nicht nur, Studien zu veröffentlichen, sondern die Ergebnisse auch direkt mit den betroffenen Gemeinschaften zu teilen, um ihnen bei der Suche nach Lösungen zu helfen.
Die Menge an Plastik, die wir sahen, war überwältigend. In den Dörfern der Kuna Yala war der Boden mit Plastikfetzen und Dosen bedeckt. Laut dem Dorflehrer verbrennen die Familien das Plastik regelmäßig vor ihren Häusern. Dabei können hochgiftige und möglicherweise krebserregende Stoffe freigesetzt werden.



Selbst auf unbewohnten Inseln waren die Strände mit Plastikgegenständen übersät. Unseren Plan, einen Beach Clean-up auf einer besonders betroffenen Insel zu machen, gaben wir ziemlich schnell auf, als uns klar wurde, dass wir niemals das ganze Plastik auf unserem Boot nach Panama bringen könnten. Stattdessen beschlossen wir, nur einen 10 Meter langen Abschnitt zu säubern und zu zählen, wie viele typische Gegenstände sich auf 100 Metern finden. Ich suchte zum Beispiel nur nach Plastikschuhen im Croc-Stil und fand in einer halben Stunde 50 Stück. Außerdem sammelten wir unzählige Plastikflaschen, Feuerzeuge, Deos und Milchkartons.
Als wir einige Tage später in Panama ankamen, hielten wir einen Vortrag über unsere Reise vor Segler:innen, Lokalpolitiker:innen und Wissenschaftspartner:innen. An diesem Abend erfuhr ich von Panamas ehemaligem Umweltminister, dass die Kuna Yala 2020 von ihren Inseln aufs Festland von Panama umgesiedelt werden sollen, weil ihre Inseln durch den steigenden Meeresspiegel überflutet werden.
Dieses kleine Volk gehörte zu den wenigen, die den spanischen Eroberern trotzten, es überstand unzählige Piratenüberfälle und bewahrte sein Land und seine Kultur. Heute leidet es nicht nur unter dem Kokainhandel und einer riesigen Flut aus Plastikmüll, sondern verliert durch die Folgen des Klimawandels auch seine Heimat.“



Wir bei MYMARINI schätzen die Arbeit dieser Frauen für unsere Ozeane sehr. Ein besonderer Dank geht an Jana, die diesen Bericht geschrieben und ihre Eindrücke mit uns geteilt hat.






